
Alle in der Geschichte vorkommenden Personen und Orte sind frei erfunden; Aehnlichkeiten mit der Realitaet sind rein zufaellig. Trotzdem ist die Geschichte nicht ganz frei erfunden, denn es ist erkennbar, dass persoenliche Erfahrungen und Erlebnisse des Erzaehlers in die Geschichte einflossen.
Der Erzaehler auf der Suche nach >Inspiring Thailand<. Ist es ueberhaupt moeglich dieses >Inspiring Thailand zu finden? Dieser Frage geht der Erzaehler nach, in der Hoffnung, dass schier Unmoegliche, moeglich zu machen. Durch die Begegnungen mit den Menschen, welche er nie so richtig wahrgenommen hat, die mit ihren Erzaehlungen des Erlebten und Erfahren einen Teil seines Lebens beeinflussten, kommt er zur Ueberzeugung:
So wie ein Fotograf, mit einem Schnappschuss den Moment des Seins aufnimmt, dem Foto dadurch eine Seele und mystische Geschichte verleiht, die in den Augen des Betrachters die Aussagekraft, Darstellung, Bedeutung, und unterschiedliche Interpretation der gesehenen Wahrheit zur Spekulation verleitet, so ist dieser Moment des Erlebens, der Bewussten oder Unbewussten Wahrnehmung im taeglichen Leben, dem Schnappschuss gleich.
Haircut - Eine kleine Geschichte
Das Haare schneiden hat schon was fuer sich, insbesondere in Thailand . Der Barber-Shop ist nicht nur fuers Haare schneiden. Er ist auch ein Center fuer Tratsch. Der Vater des Hauses fuhr mit mir zu einem befreundeten Barber-Shop um mir einen modernen Thaistyle Haarschnitt verpassen zu lassen.
Er konnte es nicht mehr mitansehen wie die laestigen vom Schweiss feuchten Straehnen die mir dauernd in die Augen haengten und dann ein brennen verursachten, mich reizten. Es war ein kleiner Shop, zwei Stuehle aus dem Jahre Schnee davor halb blinde Spiegel. Darunter einige halb gebrochene Stecker die als Energiespender fuer eine elektrische Haarschneidemaschine dienten.
Auf der langen Holztheke war eine kleine Wasserschuessel mit Seifenwasser darin. Kleine Wattebaeusche wurden damit genaesst. Dieses Seifenwasser wurde dann an der Seite, am Nacken und an der Stirn aufgetupft damit dass Messer beim ausrasieren leichter gleitet. Poster von leicht bekleideten Maedchen zierten die einstmals weiss getuenchte Wand. Die Wartebank war ueberfuellt mit alten Zeitungen und Magazinen. Viele abgegriffene Cartoons lagen unter dem Fernseher auf einer kleinen Ablage. Ein Industriefarbener Decken Fan sorgte fuer leichte Abkuehlung. Ein alter Mann war der Besitzer und der Friseur dieses Saloons.
Es waren schon einige Kunden im Saloon. Zuerst schnitt der Mann den Schuelern die Haare damit diese puenktlich mit neuem Schoollook in die mit mehr als 3000 Schuelern gefuellte Schule kamen. Der Vater des Hauses sprach mit den warteten Kunden ueber mich . Sie hatten von dem “Snowman” schon gehoert. Die Schueler waren nun alle gehbereit. Sie bezahlten und verliessen mit einem Good-bye, das sie zu mir sagten, den Shop. Ich wartete brav dass der Kunde, welcher vor mir hier war, auf einem der Stuehle platz nahm. Keiner stand auf, ich schaute ein wenig umher dann zum alten Mann. Er wies mit der Hand auf den Stuhl, worin ich platz nehmen sollte. Sie alle wollten sehen, wie ich meine blonde Haarpracht schneiden lasse. Der Mann fragte mich wie ich die Haare geschnitten haben wolle.
Ich sagte ein wenig vorne, hinten nur ausrasieren und an der Seite anpassen. Er fuhr nach jedem meiner Worte zur Stelle die ich ansprach und nickte. So lehnte ich mich entspannt zurueck. Er band mir den Umhang mit vielen kurzen schwarzen Haaren darauf um. Er fing an mit dem Haar schneiden. Ich beobachtete jeder seiner Bewegungen. Er schnitt und schnitt und mir wurde bang. Die Haarpracht war nicht mehr nach meiner Vorstellung. Ohne mir auch nur ein rundes Gefaess auf den Kopf zu stuelpen schaffte er es das die Form, der Rundung exakt die eines Nachttopfes glich. Mein entsetzter Blick verleitete ihn zu sagen das er noch nicht fertig sei. Oh Schreck, noch nicht fertig.
Er brach eine Gilet Rasierklinge auseinander und gab diese in eine Plastikhalterung. Mit dem nassen Wattebausch befeuchtete er mich hinter den Ohren und am Nacken. Die Stirn und die Nase vergass er nicht. Dann mit einem Knall hat er die Lehne des Stuhles in die Horizontale gebracht. Dabei viel mir das Herz vor schrecken in die Hose. Ich schloss die Augen und liess alles ueber mich ergehen. Es war irgendwie angenehm als das Messer meinen Nasenruecken von den klitzekleinen Haaren befreite. Ich getraute mich nicht zu niesen. Ich wollte nicht als Blutspender dienen.
Als diese Prozedur beendet war, kam der naechste Schreck. Ein heisses Tuch wurde mir ins Gesicht geklatscht. Ich richtete mich Kerzengerade im Stuhl auf, das bei meinem Gewicht schon eine Meisterleistung war. Die Kunden kicherten belustigt. Er drueckte mich mit sanfter Gewalt in die Ausgangslage zurueck und begann meine Augaepfel durch das nun lauwarme Tuch zu massieren. Das war Entspannung pur. Dann kamen Stirn und Nackenpartie dran. Oh! Wenn ich eine Katze gewesen waere ich haette geschnurrt. Dann nahm er das Tuch weg und mit dem Haarbesen befreite er mich vom Juckreiz der abgeschnittenen Haare, welche sich im Nacken versteckt hatten. Den Abschluss kroente ein weisses Puder das er geschickt auf mein Gesicht mit einem trockenem Wattebausch ausstaubte ohne das etwas dabei in die Augen kam.
Ich ging noch oft zu diesem Friseur, schon wegen der angenehmen Atmosphaere. Irgendwann hat er ein Kasette mit dem Zillertaler Hochzeitsmarsch aufgetrieben. Bei jedem Haarschneiden war das dann die Hintergrundmusik. Auch in der Gegenwart, gehe ich fuer meinen Haarschnitt in kleinen aelteren Barber-Shop. Wirklich kein einziges mal wurden meine Haare nach meinen Vorstellungen geschnitten. Das ist jedoch nicht wichtig. Die Atmosphaere und der Tratsch sind die 25 Baht wert. An den Thai - Look der ja der Zeit angepasst ist, hab ich mich laengst gewoehnt.
Ich kenne auch die modernen Saloons. Doch keiner dieser Saloons kann mir das Gefuehl von Thailand geben.
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