
Alle in der Geschichte vorkommenden Personen und Orte sind frei erfunden; Aehnlichkeiten mit der Realitaet sind rein zufaellig. Trotzdem ist die Geschichte nicht ganz frei erfunden, denn es ist erkennbar, dass persoenliche Erfahrungen und Erlebnisse des Erzaehlers in die Geschichte einflossen.
Der Erzaehler auf der Suche nach >Inspiring Thailand<. Ist es ueberhaupt moeglich dieses >Inspiring Thailand zu finden? Dieser Frage geht der Erzaehler nach, in der Hoffnung, dass schier Unmoegliche, moeglich zu machen. Durch die Begegnungen mit den Menschen, welche er nie so richtig wahrgenommen hat, die mit ihren Erzaehlungen des Erlebten und Erfahren einen Teil seines Lebens beeinflussten, kommt er zur Ueberzeugung:
So wie ein Fotograf, mit einem Schnappschuss den Moment des Seins aufnimmt, dem Foto dadurch eine Seele und mystische Geschichte verleiht, die in den Augen des Betrachters die Aussagekraft, Darstellung, Bedeutung, und unterschiedliche Interpretation der gesehenen Wahrheit zur Spekulation verleitet, so ist dieser Moment des Erlebens, der Bewussten oder Unbewussten Wahrnehmung im taeglichen Leben, dem Schnappschuss gleich.
Jinjok - Eine kleine Geschichte
Wir sassen auf dem Holzboden auf einer Bambusmatte wo der Somtam, gebratener Fisch und leckeres Gemuese verspeist wurde. Unter uns die Huehner, die alles was durch die Ritzen fiel, gierig mit lauten Gegagger und Gerangel aufpickten. Der Fruechteteller war in der Mitte der Bambusmatte. Der mintfarbene abgegriffene Plastikeiskuebel gefuellt mit Wasser und geschabten Eis , war am Rande der Matte. Zwei Strohhalme ragten raus. Ein jeder saugte mal dran, wenn der Somtam uns seine Schaerfe zu spueren gab. Es war keine Linderung sondern hat auf meiner Zunge nur noch mehr Schmerzen verursacht.
Der Vater des Hauses hatte seine Lieblingsspeise bekommen. Gekochten Frosch mit vielen kleinen gelben Froscheiern. Dies zu probieren hab ich herzlich aber bestimmt abgelehnt. Er war auch der einzige den diese Koestlichkeit erfreute. Neben sich ein Metallbecher mit Eis, Soda und einem Schuss Mekhong. Der Schluck daraus half ihn die Froscheier leichter runterzuspuelen, laut seiner Aussage. Das Zwinkern mit dem Auge war nur, weil der Fan den Staub von einem Eck ins andere schickte und ein Staubkorn in sein Auge verirrte.
Die Ameisen wanderten von der Zuckerdose Richtung zu den frischgeschaelten, wohlriechenden Mangos auf den Fruechteteller. Moskitos suchten das Hauptmenue "Farangblut" mit Erfolg. Das flackernde Licht versuchte Romantik zu verbreiten. Es wurde viel gegossipt, wer beim Kartenspiel Pok-Daeng, gewonnen oder verloren hatte. Das die Nachbarin morgen zum Haareschneiden gehen kann, usw.
Dieses Idyllische Abendmahl wurde urploetzlich durch mein Aufspringen gestoert. Die Huehner gaggerten freudig, als der Somtam und die Fischeier durch die Ritzen zur Fuetterung riefen. Der Vater rettete sein Soda-Whisky Gemisch, die Mutter, meine so heissgeliebten Mangos. Sogar das Licht hoerte auf zu flackern. Die Zeit schien still zu stehen. Ich brachte keinen Ton hervor. Meine Haare standen im wahrsten Sinne des Wortes zu Berge. Moskitoeinstiche hoerten auf zu Jucken. Nur der Jinjok auf meinem Kopf der mich in Angst und Schrecken versetzte, schien als geniesse er seine Macht ueber mich. Er machte keine Anstalt von mir zu weichen.
Der Vater der sich nicht mehr halten konnte vor lachen, half mir. Er schnappte sich das Ungeheuer, nein nicht um den Jinjok hinauszubefoerdern, sondern erfreute damit die Familie, als ich lautkreischend bat, dieses Ungeheuer doch nicht vor mein Gesicht zu halten. Endlich wurde der Jinjok mit viel Gelaechter auf den Fussboden gesetzt, worauf dieser flink wie ein Wiesel zur Wand lief und seine Kletterkuenste zum Besten gab. Mein Hunger war vergangen und ich stimmte vor Erleichterung dem Lachen der Familie mit ein. Wieder ist es mir gelungen fuer die Familie einen Gespraechsstoff auf dem Markt oder beim Waesche waschen zu liefern.
Heute, wenn ich zu lange vor dem Computer sitze, droht meine Frau mir einen Jinjok auf die Tastatur zu setzen. Ja, das ist wahre Liebe.
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